Fluglärmgutachten Airfield Erbenheim: Stadt verschleiert kritische Erkenntnisse

Die Linke Stadtfraktion Wiesbaden kritisiert das vom Land Hessen und von der Stadt kommunizierte Fluglärmgutachten zum Airfield Erbenheim. Der Fluglärmexperte Michael Dirting, dem das Gutachten nebst Unterlagen vorliegt, zeigt auf welche gravierenden Mängel das Gutachten aufweist - und das öffentlich noch nicht vorliegt, mithin bewusst verzögert wurde


„Es ist völlig inakzeptabel, dass die Stadt das Gutachten erst nach der Stadtverordnetenversammlung kommuniziert und noch nicht veröffentlicht hat. Das zeigt, dass man kritische Stimmen ausbremsen und eine ernsthafte Diskussion verhindern wollte“, erklärt Ronny Maritzen, umweltpolitischer Sprecher der Stadtfraktion Die Linke.

 

Eklatante inhaltliche Mängel und fehlerhafte Prognosen

Michael Dirting, ein renommierter Experte für Fluglärmanalysen, legt, nach erster Sichtung, die gravierenden Schwächen des Gutachtens offen. Er bemängelt:

"Das Dokument liest sich wie ein Sammelsurium fehlerhafter Annahmen – als würde man Zahlen kunstvoll jonglieren, ohne zu wissen, was man eigentlich tut."

 

Die wesentlichen Kritikpunkte im Detail:

Vernachlässigung großer Flugzeugtypen: Modelle wie die C‑130 Hercules und die C‑17 finden keine adäquate Berücksichtigung, obwohl der internationale Flugverkehr deutlich zunimmt.

Unrealistische Hubschrauber-Überflughöhen: Das Gutachten unterstellt eine Überflughöhe von 300 m, obwohl in der Praxis häufig niedrigere Flughöhen verwendet werden – ein Ansatz, der den Lärmschutzbereich massiv schrumpfen lässt.

Unangepasste Lärmzuschlagsregelung: Die pauschale Sigma-Regelung ignoriert die Tatsache, dass der Großteil des Flugverkehrs im Westen stattfindet, was zu fehlerhaften Prognosen führt.

Gefährdung durch breiten Sichtflugsektor: Der im Westen ausgeweitete Sichtflugsektor überschreitet die Accident Potential Zone (APZ) und gefährdet die geplante Bebauung des Ostfelds.

Diskrepanz bei Flugbewegungszahlen: Während die US Army mit bis zu 30.000 möglichen Flugbewegungen rechnet, geht die Stadt von lediglich 20.000 aus – eine Differenz, die dringend öffentlich diskutiert werden muss.

Verharmlosung der Lärmemissionen: Der militärische Flugverkehr, der vornehmlich das Ostfeld betrifft, wird systematisch unterschätzt.

Michael Dirting bringt es abschließend noch prägnant auf den Punkt:

"Dieses Gutachten entpuppt sich als verzahnter Fehlgriff, der den tatsächlichen Lärmpegel radikal unterschätzt."

 

Forderung nach Transparenz und öffentlicher Diskussion

Maritzen kritisiert weiter:

"Wer in der Lage ist, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen, sollte auch das vollständige Gutachten offenlegen. Stattdessen wird hier mit Verzögerungstaktik und verharmlosenden Aussagen gearbeitet. Wir fordern eine unabhängige Zweitmeinung, die sofortige Offenlegung aller relevanten Unterlagen sowie eine öffentliche Fachveranstaltung – idealerweise mit Experten wie Michael Dirting, der seine Kritik unmissverständlich belegt hat."

Die Bürgerinnen und Bürger Wiesbadens haben ein unerschütterliches Recht auf die volle Wahrheit über die Lärmbelastung. Die Linke steht weiterhin für Transparenz, Aufklärung und den uneingeschränkten Schutz unserer Gemeinschaft – wir lassen uns nicht mit halben Wahrheiten abspeisen.